Glockenspiel
Seite 10 Glockenspiel: Engagement „Die fetten Jahre sind vorbei!“ Dieses Sprichwort, das an die alttestamentliche Josefsgeschichte angelehnt ist, trifft nun leider auch unsere Gemeindearbeit ins Mark. Denn es gibt immer weniger Men- schen, die sich ehrenamtlich für andere en- gagieren können/möchten. Aber auf der anderen Seite gibt es immer mehr Men- schen, die Hilfe oder Zuwendung in An- spruch nehmen wollen. Das kann nicht zuei- nander passen. Lange haben wir es geschafft, die Auswir- kungen dieses Trends nicht spürbar werden zu lassen. Dieselben Leute haben noch mehr gearbeitet, noch mehr von anderen übernommen. Nun sind wir an einem Punkt angelangt, an dem der Mangel an Hilfen nicht mehr auszugleichen ist, auch nicht durch Hauptamtliche. Das hat direkte Aus- wirkungen auf unser Gemeindeleben. Ab diesem Jahr müssen wir einiges aufgeben, was uns wichtig, aber leider nicht mehr leistbar ist! Kindergottesdienst Rüdesheim: Nachdem Inge Poppitz lange Jahre den Rü- desheimer Kindergottesdienst zusammen mit einem kleinen Team engagiert geleitet hat, geht mit ihrem Ausscheiden aus diesem Arbeitsbereich eine Ära zu Ende. Seit Som- mer gibt es keinen Rüdesheimer Kinder- gottesdienst mehr! Aufrufe, dieses Arbeits- feld zu erhalten, verhallten. Es fehlt an eh- renamtlichen Helfern, aber auch an Kin- dern, die das Angebot wahrnehmen. In Rü- desheim mit seinen rund 3000 Einwohnern und vielen Kindern eigentlich unverständ- lich, aber leider traurige Realität! Besuchsdienstkreise: Zeit, kleine Präsente, ein offenes Ohr, ein guter Rat: Wertvolle Geschenke bringen die Frauen von den Besuchsdienstkreisen mit, wenn sie Senioren zum Geburtstag besu- chen. Doch auch ihre Zahl wird weniger. Aufrufe, die Teams bei ihrer Arbeit zu unter- stützen, brachten nicht den erhofften Er- folg. So mussten wir auch in diesen Arbeits- feldern Abstriche machen, um den Dienst noch anbieten zu können. In Weinsheim wird nun nur noch ab dem 80. Lebensjahr besucht. In Rüdesheim konnten wir die Be- suche im DRK-Seniorenzentrum nicht mehr in der gewohnten Weise aufrechterhalten. Hier ist nur noch ein Besuch am runden und am halbrunden Geburtstag möglich. Auch hier hoffen wir auf Unterstützung, um wei- tere Einschnitte abwenden zu können. Öffentlichkeitsarbeit „Wann kommt endlich das Glockenspiel?“ Diese Frage hört man oft. Sie ist berechtigt, aber auch wir als Redakteure stoßen mit unserer Zeit an Grenzen. Schreiben, Foto- grafieren und Layouten, Abstimmen und Koordinieren von Terminen, Zusammenstel- len der Kasualien, all das braucht viel Zeit. Das Glockenspiel entsteht meist in der Frei- zeit von Haupt-, Neben- und Ehrenamtli- chen. Ist diese freie Zeit mit anderer Arbeit belegt, kann am Glockenspiel nicht weiter- gearbeitet werden. Als Alternative bietet die Online-Redaktion alle aktuellen Termine und Berichte im Internet an. Das Gemeinde- büro informiert im Amtsblatt über alle Gottesdienste, Unterrichtszeiten und Termi- ne von Gruppen und Kreisen. Die gedruckte Ausgabe des Glockenspiels kann erst dann erscheinen, wenn sie fertig ist, und nicht, wenn ein bestimmtes Datum den Kalender ziert. Mit diesen Herausforderungen liegen wir leider im Trend der Zeit. Andere Kirchenge- meinden, kreiskirchliche Institutionen und auch diakonische Verbände suchen hände- ringend nach Ehrenamtlichen. Sollte es sich bewahrheiten, dass es diese nicht mehr gibt, muss man bei Anfragen o- der Ansprüchen seitens der Gemeindeglie- der leider mit der offen ehrlichen Antwort reagieren: „Das geht nicht mehr!“ (ae) „Die fetten Jahre sind vorbei!“
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