Glockenspiel

Seite 7 Glockenspiel: Kindergottesdienst Dort gab es im ersten Stock einen größeren Saal, in dem alle Platz hatten, zudem hatten sie einen schönen großen Hof, wo wir uns im Sommer oft aufhielten. Nachdem die Methodistengemeinde in der Nahestraße eine eigene kleine Kirche errich- tet hatte, sind wir dann dorthin umgezogen, es gab hier sogar eine schöne Wiese hinter dem Gebäude. Wir waren immer sehr viele Kinder; ja, zu dieser Zeit war es tatsächlich noch möglich, dass 25 und mehr Kinder von nur einer erwachsenen Person betreut wurden. Höhepunkte im Jahr waren stets die Wald- feste im Sommer und die Krippenspiele an Weihnachten. Bei den Waldfesten pilgerten wir zu einem Platz im Lohrerwald. Dort tra- fen wir auch Kinder aus benachbarten Me- thodistengemeinden; es wurde gesungen, Geschichten erzählt, ein bisschen herumge- tollt, und später saßen wir auf den mitge- brachten Wolldecken und genossen Apfel- saft aus der Fruchtkellerei Beisiegel. In der Vorweihnachtszeit bekamen alle Kin- der ihre Rollen für das Krippenspiel zuge- teilt, die dann selbstverständlich wiederum auswendig gelernt werden mussten. Je älter man war, desto umfangreicher wurden auch die Texte, und man fieberte schon der Aufführung vor einem „großen Publikum“ entgegen. Meine Mutter (die Schwester meiner Paten- tante) erzählte mir später einmal, dass „Tante Else“ im Dezember mehr oder weni- ger ein Nervenbündel gewesen sei, weil sie von den zahlreichen Proben zum Krippen- spiel doch ziemlich gestresst war. Aber sie hat viele Jahre durchgehalten und war im- mer mit ganzem Herzen bei der Sache. Dass auch die Kinder sie ins Herz geschlos- sen hatten, lässt sich daran erkennen, dass die inzwischen erwachsenen „Kinder“ sich noch heute, wenn die Rede darauf kommt, gerne an ihre Sonntagsschulzeit erinnern. Nachdem meine Patentante 1964 geheira- tet hatte und aus Rüdesheim weggezogen war, war die Zeit gekommen, die Sonntags- schule an eine Nachfolgerin zu übergeben. So hat dankenswerterweise Frau Edeltrud Hoffmann, geb. Braun, wohnhaft in der Mühlenstraße in Rüdesheim, die Leitung übernommen. Sie wurde jedoch Gott sei Dank nicht „ins kalte Wasser geworfen“, wie man so sagt: Sie kam bereits im Jahr 1958 direkt nach ihrer Konfirmation zur Unter- stützung meiner Tante hinzu und ist somit in diese Aufgabe langsam hineingewachsen. Edeltrud Hoffmann setzte nicht nur die Ar- beit ihrer Vorgängerin mit großem Engage- ment fort, sondern verstand aufgrund ihrer Ausbildung als Erzieherin den Umgang mit Kindern noch einmal besser. Bis zu meiner Konfirmation 1968 besuchte ich noch die Sonntagsschule und habe mich bis zuletzt immer wieder auf diese Stunde am Sonntagmorgen gefreut. Wie beliebt auch die „Tante Edeltrud“ bei allen Kindern war, zeigte sich auch daran, dass bei den Krippenspielen zu Weihnachten, welche mittlerweile in der evangelischen Kirche stattfanden, bis zu 50 Kinder mitgemacht haben. Eine wahre Mammutaufgabe! Mitte der 1970er-Jahre wurde die methodis- tische Kirche in der Nahestraße dann an die katholische Kirchengemeinde verkauft, da man in Bad Kreuznach ein neues Gemeinde- zentrum errichtet hatte. Damit war die Ära Sonntagsschule in Rüdesheim beendet. Meine Gedanken (TEIL 1) will ich damit be- enden, dass ich Edeltraud Hoffmann stell- vertretend für die vielen Sonntagsschulkin- der von ganzem Herzen Dank sage für ihren langjährigen Dienst in der Sache Gottes. In der nächsten Ausgabe des Glockenspiels folgt der zweite Teil über die Kindergottes- dienstarbeit der evangelischen Kirchenge- meinde in Rüdesheim. Klaus Poppitz

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