UNSERE PARTNERSCHAFT MIT MUKORE

Wie kommt man zu einer Partnerschaft mit einem Dorf in einem Winkel von Rwanda, im Herzen von Afrika?
- Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Die erste Antwort: Es war ein Zufall der sich als Glücksfall herausstellte. 1988 machte man uns das Angebot einen "Mitarbeiter aus der Ökumene" bei uns aufzunehmen und in die Gemeindearbeit einzubinden. Dieser Mitarbeiter war Pfr. Jonathan Rwamuningi, der im Sommer 1988 mit seiner Frau Rose und den drei Kindern Pascal, Esperance und Christian aus Rwanda kam.
Durch ihre Anwesenheit und mit Ihrer Hilfe entwickelte sich in unserer Gemeinde ein neues ökumenisches Bewusstein, das ganz wesentlich auf die Menschen in Rwanda ausgerichtet war.


Diese Reise führte auch nach Mukore und dort begrüßte bereits ein großes Tafelbild in der Grundschule die erwartete Delegation:
"Weinsheim-Rüdesheim - Mukore Jumelage" stand dort blumenreich verziert zu lesen. Das war am 4.9.1992 die Geburtsstunde der Partnerschaft zwischen unserer Gemeinde und der Gemeinde Mukore. Mukore, ( Comune Rutsiro, Praefecture Kibuye, Region Haut-Montagne) ist eine wirklich kleine Gemeinde in den Bergen auf der Ostseite des Kivu-Sees in der nördlichsten Ecke des Kirchenkreises Rubengera. Man fährt von Rubengera (Mabanza) einige Kilometer die Straße in Richtung Giseny bis zur Ortschaft Bukeye. Von dort führt eine Piste in die Berge hinauf, die in dieser Gegend bis 2776 Meter aufragen.

Ein kleines Reststück des Regenwaldes wird passiert und dann biegt eine schmale Piste ab nach Mukore, das in etwa 2500 Metern Höhe liegt. Es ist kein zusammenhängendes Dorf, sondern besteht aus verstreut auf den Hügeln liegenden Gehöften. Zentrum aber bildet die damals kleine Kirche, das winzige Pfarrhaus und das Schulgebäude auf einem der vielen Hügel.

Inzwischen sind viele Briefe hin und her gegangen, auch das Geld, das wir im Klingelbeutel sonntags für unsere Partner sammeln, ist nach Mukore transferiert worden und hat dort zunächst geholfen das Dach und die Fenster der Primarschule zu erneuern. Auch diakonische Einzelunterstützungen sind wohl davon getätigt worden.

Die Verwaltung der Mittel obliegt ganz und gar unseren Partnern, d.h. dem Presbyterium unter der Leitung des Pfarrers. Sie stimmen sich aber immer wieder mit dem Partnerschaftskomitee des Kirchenkreises Rubengera ab. Dann geschah 1994 der schreckliche Völkermord und auch in Mukore gab es viele Tote, etwa 200. Darunter auch einige, die wir inzwischen persönlich gut kannten. Etwa Schwester Helen Mukanziza, die noch 1993 bei uns zu einem Gegenbesuch weilte, und auch Pastor Fidele, der in den Wirren nach Kibuye floh und dort im Stadion mit all den anderen umgebracht worden ist… Eine grausame Geschichte, die all unser Vorstellungsvermögen und unser Entsetzen übersteigt.

Der "Neuanfang" war schwierig: Schweigen, ausweichende Antworten, vergessen wollen, allgemeine Unsicherheit und Angst prägten die Situation als im Juni 1995 erneut eine Delegation die Partner in Rwanda besuchte. Zu dieser Delegation gehörte auch wieder Pfr. Germann. Die Partnerschaft wurde in Mukore erneuert. Zugleich wurde verabredet, dass nun Mittel für die Versorgung von Witwen und Waisen und für den geplanten Neubau einer größeren Kirche bereitgestellt werden sollen. Briefe, Besuche aus Mukore, Geschenke und Geldsendungen folgten.

Erst 2004 besuchte eine Delegation wieder die Gemeinde in Mukore und staunte nicht schlecht über die inzwischen fertig gestellte große Kirche. Nur der Fußboden fehlt noch, ansonsten füllt sich die Kirche bereits mit lebendigem kirchlichen Leben. Wir sind stolz, an diesem Neubau mitbeteiligt zu sein.