Dezember

02.12.2011

„Gott spricht: Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ Jesaja 54,10

 

Durch die Geschichte von Gott und Mensch hindurch, zieht sich diese Erfahrung des Menschen, dass Gott ferne ist, dass wir von Gott verlassen sind. Wie immer die Not auch heißen mag, es sind genau die schweren Erfahrungen in unserem Leben, die uns nach Gott fragen lassen, und die uns oft auch an Gott zweifeln lassen, wenn wir keine Antwort finden auf unsere Fragen. Da stirbt ein Mensch, der noch so gebraucht worden wäre; da zerreißt eine Trennung das Glück einer  Familie; da stürzt eine Kündigung einen in eine große Krise; da wirft eine schlimme Diagnose alle Pläne über den Haufen… Wenn einen das Unglück so trifft, gerät auch der Glaube schlagartig ins Wanken.—Wo ist Gott? Warum lässt er das zu? Warum verbirgt er sich, jetzt, wo ich ihn so nötig habe? Das Gefühl verlassen zu sein ist absolut. Man weiß nicht, ob es sich je wieder ändern wird. So erging es ganz bestimmt auch dem Mann, der mir vor vielen, vielen Jahren zum ersten Mal im Krankenhaus begegnete, eine schlimme Diagnose hatte für ihn alles schlagartig beendet, was bis dahin war. Er ist mir immer wieder im Krankenhaus begegnet, mal mit mehr, mal mit weniger guten Prognosen. Aber er hat sich gewehrt, hat sich nicht unterkriegen lassen, hat aus seiner Situation das Bestmögliche gemacht. Hat schließlich sogar eine Selbsthilfegruppe für Leidensgenossen gegründet und über Jahre hinweg anderen Trost und Hilfe gegeben. Noch bis kurz vor seinem Tod hat er andere besucht und hat ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Viele haben gestaunt und sich über ihn gewundert, dass er dazu die Kraft aufbringen konnte. Er war dabei kein besonders frommer Mensch, aber er hat nach Gott gefragt, ihn gesucht, auf ihn gewartet…

Und manchmal müssen wir lange warten bis uns die Kraft zuwächst, die wir brauchen, bis die Hoffnung und die Zuversicht in uns stärker sind als Ängste und Zweifel. Aber das kann man  üben: Denn dafür gibt es jedes Jahr Advent und Weihnachten, dass wir immer wieder neu uns sagen lassen: „Gott ist uns ganz nahe“. Damit uns die Hoffnung nicht ausgeht, dass unser Leben unter einem guten Stern steht, auch wenn manches krumm und schief steht, darum schauen wir auf den Stern über dem Stall; - damit das ängstliche Klagen in uns wenigstens leiser wird, darum hören wir auf den Gesang der Engel vom Frieden auf Erden; - damit uns die Freude am Leben nicht verlässt, darum schauen wir auf das Kind in der Krippe… Darum wird es Weihnachten: um uns heim zu holen zur Liebe Gottes, die, wenn auch bisweilen verborgen, uns alle auf ewig umfängt.

Ich wünsche Ihnen allen ein von Gottes Nähe erfülltes, gesegnetes

Weihnachtsfest!                                   Es grüßt Sie herzlich, Ihr   V. Germann

 

Ihr Volker Germann
unterschrift_volker_germann