Spruch Oktober
Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?“ Hiob 4,17
Gott selbst gibt uns, die Gerechtigkeit, die wir nötig haben, auch wenn wir mit leeren Händen vor ihm stehen! Seine Gerechtigkeit teilt jedem zu, was er nötig hat, um im Angesicht Gottes zu leben. -
Da fällt mir ein Bilderbuch ein mit einer vermenschlichten Katzenfamilie. Und eine Geschichte darin lässt sehen, wie der Katzenvater -oder war‘s die Mama?- den 5 Katzenkindern Fisch zum Mittag serviert. Aber wie Fische nun mal sind: Da hat ein Katzenkind einen größeren Fisch und ein anderes einen etwas kleineren Fisch auf dem Teller liegen. Sofort geht die Streiterei los: „Ist das gerecht?“ maunzen sie empört.—Auf der nächsten Seite sieht man dann, wie der Vater alle leckeren Fische wieder einsammelt und sie durch den Fleischwolf dreht. Am Schluss hat jedes Katzenkind eine gleich große aber nichtssagende Fischfrikadelle auf dem Teller. Und da maunzt dann sogar das Katzenkind, das vorher den kleinsten Fisch hatte: „Ungerecht war mir lieber“.
Ja das ist so eine Sache mit der Gerechtigkeit. Wir sagen ja selbst immer wieder, dass man es einfach nicht allen recht machen kann: „Einem jeden recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“, war da in Marburg in einem alten Hausbalken kunstvoll eingeschnitzt… Also das war schon immer so.— Dabei nehmen wir es mit der Gerechtigkeit eigentlich sehr genau. Schon die Kinder in der Schule sind hoch sensibel, wenn es um gerechte oder ungerechte Beurteilungen geht. Gerechtigkeit ist uns ein hohes Gut. Hauptsache gerecht! Und das ist ja auch ok; - aber was ist denn gerecht? - Gerecht ist, wenn jeder das kriegt, was er auch verdient hat, sagen wir…
Da gibt es aber diese Geschichte, die Jesus erzählt (Mt.20), wo ein Winzer zum Feierabend alle Lesehelfer mit dem gleichen Tageslohn bezahlt, egal, ob sie nun 10 oder 6 oder nur eine Stunde gearbeitet haben… - „Ungerecht“, schreien auch in dieser Geschichte alle, die sich um gerechten Lohn betrogen fühlen. Und keiner erkennt die Barmherzigkeit und Güte des Winzers, der auf diese Weise auch dem „Letzten“ das zukommen lässt, was er zum Leben braucht.— Fazit: Gerechtigkeit ist schon was wert, aber erst die Barmherzigkeit ermöglicht Leben! Und so ist das auch vor Gott: Hiob erkennt, wie später auch Luther, dass es völlig sinnlos ist, vor Gott auf Gerechtigkeit zu pochen. Einzig und allein auf seine Barmherzigkeit und Güte hoffend, können wir vor ihm bestehen! Gott selbst gibt uns, die Gerechtigkeit, die wir nötig haben, auch wenn wir mit leeren Händen vor ihm stehen! Seine Gerechtigkeit teilt jedem zu, was er nötig hat, um im Angesicht Gottes zu leben. - Von wegen Fischfrikadelle!
Es grüßt Sie freundlich Ihr V. Germann