AUF EINEN BLICK:
EIN PFARRER:
Pfarrer Germann

VOLKER GERMANN
Jahrgang 51, verheiratet,
2 Kinder, Hund und Katze...

HOBBIES:
Kochen, Kanufahren...

BESONDERE FÄHIGKEITEN:
Wolken beobachten...

WÜNSCHE:
Weltumsegelung auf einem
alten Teeclipper...

NAME:
Evangelische Kirchengemeinde Weinsheim - Rüdesheim

KIRCHENKREIS & LANDESKIRCHE:
"An Nahe und Glan", Ev. Kirche im Rheinland

LAGE & GRÖßE:
Naheregion, westlich von Mainz, Landkreis Bad Kreuznach; z.Zt. 2231 Gemeindeglieder

STRUKTUR:
Zwei Dörfer und ein Gehöft, ländlich (Weinsheim) bis vorstädtisch (Rüdesheim), insgesamt ca. 4000 Einwohner.


KIRCHLICHE OEBRFLÄCHE:
Zwei Kirchen, zwei Gemeindhäuser, ein Pfarrhaus, trad. Gruppen und Kreise, dazu Posaunenchor, Taize-Singkreis, Krabbelgruppe, Spielkreis, Seniorenclubs, Freizeitangebote, Partnerschaften mit Felgentreu (Brandenburg) und Mukore (Rwanda), Mustang, Gemeindebrief.

PERSONAL:
Sechs nebenamtliche Mitarbeiterinnen(Büro, Küster -, Chor- und Organistendienst), zahlreiche ehrenamtliche MitarbeiterInnen, ein Pfarrer.

 

 

 

WENN MAN GENAUER HINSCHAUT:

Ganz idyllisch am südlichen Rand des Hunsrücks gelegen, dort wo sich der kleine Ellerbach der Nahe entgegenschlängelt, von deren lieblichem Tal nur durch einen niedrigen Bergrücken getrennt, umgeben von Feldern und Weingärten, dort liegen die beiden Dörfer Weinsheim ( Nomen es(t) omen!) und Rüdesheim ("Rüdesheimer Rosengarten"- diese Weinlage gibt es nicht nur am Rhein!). – Die Stadt Bad Kreuznach liegt östlich, gewissermaßen am Ortsrand von Rüdesheim( Die Kreuznacher sehen das natürlich umgekehrt).

Von hier aus sind es etwa 20 Kilometer bis nach Bingen, wo die Nahe in den Rhein mündet und das andere, zweifellos berühmtere, "Rüdesheim am Rhein" von der gegenüberliegenden Seite herüberwinkt. – Nach Mainz gelangt man von uns aus in einer guten halben Stunde; nach Frankfurt dauert es eine Stunde... Das machen die guten Verkehrsverbindungen: Seit 1994 hat Weinsheim nämlich einen Quasi-Autobahnanschluß.

Damals wurde die B41, die als Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Saarland unsere Dörfer mit wahrhaft höllischem Verkehr durchzogen hat, umgelegt und zugleich vier-spurig ausgebaut. Damit haben wir nun eine sehr schnelle Anbindung an die A61 Köln-Ludwigshafen und auch an die A66 nach Frankfurt.


Umgebungskarte
Beide Ortschaften bilden zusammen die "Ev. Kirchengemeinde Weinsheim-Rüdesheim" Es sind historische Gründe, warum Weinsheim im Namen der Kirchengmeinde voransteht. Früher war Weinsheim immer die größere Ortschaft und eben der Pfarrsitz.

Obwohl Rüdesheim sich inzwischen zum "Vorort" von Bad Kreuznach gemausert hat und inzwischen knapp 3000 Einwohner zählt –gegen über knapp 1800 Weinsheimern – hat sich am Namen nichts geändert. Und auch der Pfarrer wohnt noch in Weinsheim. Früher waren es zwei "pfarramtlich verbundene" Gemeinden; d.h. der Weinsheimer Pfarrer hatte die eigenständige Gemeinde Rüdesheim mit zu versorgen und mit zu verwalten.
Seit 1974 ist es eine Kirchengemeinde, auch wenn es mit der Einheit nicht immer so gelingt...Gelegentlich hört man noch die alte Redensart in Weinsheim: "Unser Parre hält aach in Riddesem Kerch!"(Zu deutsch: Unser Pfarrer hält auch in Rüdesheim Gottesdienst!)


Natürlich gibt es uns schon viel länger! Genau genommen seit 1557. Damals nämlich wurde Weinsheim und Rüdesheim zusammen mit der Grafschaft Sponheim lutherisch. Schon ein Jahr später, also 1558, wurde aber der kur-pfälzische Einfluß stärker und wir wurden reformiert. Das hat dann aber nur bis 1577 gehalten, denn in diesem Jahr vertrieb der streng lutherisch orientierte Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz die reformierten Pfarrer aus seinem Bereich...

So ging das viele Jahre hin und her ( Details später). – Aber über die Jahre festigte sich der evangelische Bekenntnisstand und zwar sowohl die lutherische als auch die reformierte Fassung. Und als im Jahr 1685 das pfälzische Herrscherhaus wieder katholisch wird, reicht es nicht mehr für eine durchgreifende Umkehr der Verhältnisse. Nur die Kirchen wurden per Erlaß 1697 zu Simultankirchen., d.h. sie wurden fortan von Evangelischen und Katholischen gemeinsam für Gottesdienste genutzt. ( Dies ist übrigens so geblieben: In Weinsheim bis 1905 und in Rüdesheim bis 1889). – Der Bekenntisstand hat sich zum letzten mal 1817 geändert, als wir mit dem Rheinland der Preussischen Union beitraten, seither sind wir also offiziell "uniert", dies ist aber so keinem Gemeindeglied bewußt.

- Aus diesem andauernden Hin und Her hat sich aber ein schöne Redensart erhalten, die entweder lutherischem Spott über die Reformierten oder aber reformiertem Stolz gegenüber den Lutheranern entsprungen ist: "In de Palz, geht de Parre mit de Peif in die Kerch" (zu deutsch: In der Pfalz geht der Pfarrer mit der Pfeife in die Kirche).

Damit wird der Umstand beschrieben, daß, im Gegensatz zum lutherischen Verständnis, im reformierten Denken das Kirchengebäude keinerlei besondere Würde besitzt, sondern nur ein geeigneter Versammlungsraum für die Gemeinde darstellt, wohin der Pfarrer also gut und gern auch mit brennender Pfeife kommen könnte...


DIE KIRCHEN:
Kirchen sind wie Kinder: Man kann stolz auf sie sein und zugleich machen sie einem auch immer wieder Sorgen. - Die Weinsheimer Kirche, die in den Jahren 1823-25 nach Plänen des Kreuznacher Kreisbauinspektors Ludwig Behr im klassizistischen Stil entstand (im Jahr 2000 feiern wir am 23.10. das Jubiläum 175 Jahre Kirchweihe!) ist ein wahres Schmuckstück, auf das wir auch mächtig stolz sind. Wie Blütenblätter umgeben vier Apsiden das quadratische Zentrum welches von einer großen Kuppel gedeckt wird.

Der Besucher dieser Kirche wird unwillkürlich an die großen Basiliken Italiens erinnert, bei denen die Sonne das Licht wie ein Finger durch die runde Öffnung im Kuppeldach zu Boden schickt. Tatsächlich entstanden die Pläne bei einem Aufenthalt Behrs in Rom. Und so zeigen die ältesten Fotos und Pläne unserer Kirche das Kuppelzentrum offen, nur von einem kleinen Glasdach gegen den Regen geschützt.




So schön diese architektonische Finesse auch ist, sie ist einfach ungeeignet für unsere Witterungsverhältnisse. Irgendwann hat man die Öffnung fest verschlossen, weil in unseren Breiten ein Dach halt doch "dicht" sein muß. Aber genau dieses Problem konnte wegen der geringen Dachneigung der Kuppel, bis heute nicht befriedigend gelöst werden. Obwohl bei der letzten Renovierung 1975 das Dach komplett erneuert und auch vor einigen Jahren nochmals eine "wasserdichte" Abdeckung aufgebracht wurde, es ist nicht dicht. Es zeigen sich schon wieder Risse und feuchte Flecken im Innern und manchmal tropft es auf den Boden...

Obwohl die Gutachter Entwarnung geben, lebt das Presbyterium mit der Befürchtung, daß vielleicht eines Tages doch mal ein Stück Putz herunterbricht. Dabei bestätigen alle Fachleute, die zu Rate gezogen wurden, daß die Schieferdeckung in Ordnung ist. Es liegt eben an der Konstruktion des Gebäudes.- Da kommt noch was auf uns zu.

Zu Vollständigkeit sei noch erwähnt: Die heutige Kirche steht an der Stelle einer Kirche, die 1387 erstmals erwähnt ist. Ab 1557 war diese Kirche im Alleinbesitz der damals reformierten Gemeinde. Ab 1697 wurde sie zum Simultaneum, d.h. evangelische und katholische Gemeinde nutzten die Kirche gemeinsam.

1811 war sie aber so baufällig, daß sie abgerissen werden mußte. Erhalten geblieben ist noch eine Glocke aus dem Jahr 1433 mit der Inschrift: O REX GLORIE CRISTE VENI CUM PACE MCCC XXXIII ( O König des Ruhmes, Christus, komm mit Frieden, 1433) Diese Glocke wurde in den neuen Bau übernommen. Gekostet hat die neue Kirche schließlich 5.657 Taler.


Die Rüdesheimer Kirche macht uns zur Zeit weniger Sorgen, wenngleich wir dort die Probleme mit der Regelung der Heizung einfach nicht in den Griff kriegen: Mal ist's zu warm, dann wieder zu kalt...

Sie ist ein einfacher Saalbau mit flacher Decke und dreiseitig geschlossenem Chor. Die ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1466. Sie war damals dem Hl. Martin geweiht und im spätgotischen Stil erbaut. Aus dieser Zeit ist lediglich die Südwand mit zwei Fenstern erhalten. Das eine ist dreiteilig mit Fischblasenmaßwerk, das andere ist ein kleines Fenster mit rundem Bogen (darunter war die Jahreszahl 1466 eingraviert).

Diese kleine Fenster gab der Kanzel, die damals darunter stand, das nötige Licht und ermöglichte zugleich den akustischen Kontakt mit den Kranken, die von draußen dem Gottesdienst beiwohnten. Immer wieder wurde die Kirche in den zahlreichen Kriegen, die unsere Region erlitten hat, gebrandschatzt und (z.B.1504) zerstört.

So, wie sie jetzt dasteht, besteht sie seit 1743, diese Jahreszahl ist noch im Sandsteingewände über der Kirchentür sichtbar. Nach 1787 wurde sie mehrfach renoviert. Dabei ist sie ein Stück länger geworden, und an Stelle des kleinen Dachreiters hat man einen freistehenden Glockenturm (24 m) errichtet.

Umgebungskarte


Die letzte Renovierung 1993 stand ganz im Zeichen der Neugestaltung der Fensterverglasung und des Innenraumes. Der ortsansässige Architekt und Designer Ingo E. Simon gestaltete sieben Fenster nach biblischen Motiven unter der Überschrift:"...der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer." (Jes.54,10b).

So sind jetzt verschiedene "Bundes-Geschichten", von der Geschichte mit Noah und dem Regenbogen bis zum Abendmahl, zu sehen. Dabei ist die Taube zu einem durchgängigen Motiv geworden. Zwei Fenster sind noch, so es die Mittel erlauben, zu gestalten. Diese Aufgabe soll möglichst noch in diesem Jahr angegangen werden. Motive aus der Schöpfungsgeschichte sind dort vorgesehen.


Mit den Fenstern wurde der Innenraum erneuert, insbesondere wurde der Altarraum neu gestaltet. An die Stelle der massiven und darum unbeweglichen Proprien (Altar, Kanzel, Taufbecken) sind nun leichte, im Stecksystem gebaute, Möbel aus Holz und Bronze getreten. Diese ermöglichen nun eine variable Gestaltung des Altarraums, was bei besonderen Gottesdiensten oder bei Konzerten von großem Nutzen ist.

Die enscheidende Idee für diese Form der Gestaltung kam aus der Einsicht, daß Kirche immer "unterwegs" sein, also eine ständig sich erneuernde Kirche sein muß. Dieser Einsicht wollten wir mit einer Einrichtung, der man die Möglichkeit zur Veränderung ansieht, Ausdruck verleihen. Auch diese Möbel hat Ingo E. Simon im engen Dialog mit dem Presbyterium entworfen.

Umgebungskarte
Altarraum der Kirche Rüdesheim
(Gemeindefest 97: Gemeinde setzt Segel)


Wird fortgesetzt...