KONZEPTION DER GEMEINDEARBEIT IN DER EV. KIRCHENGEMEINDE WEINSHEIM- RÜDESHEIM
„LASST EUCH BEWEGEN…!“

In der gegenwärtigen Situation der Kirche, die umfassend mit den Stichworten Traditionsverlust, Bestandsabbau und dem Niedergang der religiösen Kultur beschrieben wird, wollen wir uns auf den Weg machen, Kirche in dieser Zeit zu sein. Es gibt neben dem allgemeinen „negativen Trend“ auch Erfahrungen aus dem Bereich unserer Gemeinde, die uns Mut machen, dem Abbau durch unseren Aufbruch zu begegnen.

Das biblische Leitbild für unser Handeln finden wir in 2. Mose 13,21+22
„Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und in der Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Und niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.“


1. ZUR GEGENWÄRTIGEN SITUATION DER KIRCHE, WIE WIR SIE WAHRNEHMEN

Kirche ist in unserer Zeit starken Veränderungen unterworfen. Am auffälligsten ist der Verlust der finanziellen Ressourcen, der von der Kirche entscheidende Strukturreformen und Einsparungen abverlangt. Viel tiefer aber geht der merkliche Traditionsabbruch, der in allen Bereichen feststellbar ist.
Diese, auch als fortschreitende Säkularisierung beschreibbare, Entwicklung zeigt sich vor allem in der distanzierten Haltung vieler Menschen der Kirche gegenüber, aber auch in dem Verlust des Wissens und der Sprachfähigkeit hinsichtlich der kirchlichen Themen. Der ungebrochene Trend zur Individualisierung wirkt sich negativ auf die auf Gemeinschaftsbildung angelegte Arbeit der Kirche aus. In diesem Prozess der Veränderung hat sich auch ein Wertewandel und Werteverlust eingestellt, der viele Menschen verunsichert und nach neuer Orientierung suchen lässt.

In dieser Situation wollen wir uns anbieten als Wegbegleiter für die Suchenden und als Wegbereiter für neue Formen eines christlichen Lebens im Hier und Heute. Darin sehen wir unsere zentrale Aufgabe in dieser Zeit. Dabei werden wir in steter Rückbindung an Lehre und Tradition eine größtmögliche Offenheit für die aktuellen Entwicklungen an den Tag legen. Wir werden bereit sein, auch Umwege in Kauf zu nehmen, um bei den Menschen zu sein. Dies gelingt uns nur im Bewusstsein der eigenen Vorläufigkeit und im Wissen darum, dass das Ziel noch nicht erreicht ist.

Solches Unterwegssein wird einerseits sichtbar in offenen Strukturen, flexiblen Formen und experimentellen Angeboten und andererseits im vertrauensvollen und zuversichtlichen Handeln, das sich getragen weiß von der Gnade und Freundlichkeit Gottes, andererseits. Die Veränderungen dieser Zeit werden so als Chance, nicht als Gefahr begriffen. Das Unterwegssein ist dann die angemessene Lebensform der Kirche in dieser Zeit. Wir verstehen uns selbst als „wanderndes Gottesvolk“ (2. Mose13), das unterwegs ist in das verheißene Land und sich dabei der Führung Gottes anvertraut.


2. DIE SITUATION DER GEMEINDE

Unsere Kirchengemeinde, zwischen Soonwald und Nahetal und im Einzugsbereich der Kreisstadt Bad Kreuznach, hat zur Zeit (18.10.04) exakt 2300 Mitglieder (Weinsheim 988 / Rüdesheim 1312). Die beiden Ortschaften, die unsere Gemeinde bilden, haben sich in den letzten Jahren durch Neubaugebiete stark verändert. Etliche junge Familien haben dort ein Zuhause gefunden. Die kommunalen Kindergärten und die Grundschulen sind entsprechend dicht besetzt. Vor allem die Rüdesheimer Schule musste in diesen Jahren mehrfach erweitert werden.

Arbeit finden die Menschen unserer Gemeinde immer öfter weit entfernt im Rhein-Main-Ballungszentrum. Die ländliche Struktur verschwindet mehr und mehr. Es gibt nur noch wenige Bauern und auch der Weinbau hat eine deutliche Konzentration auf wenige Betriebe erfahren. – Ebenso deutlich wird die Veränderung dieser Zeit darin, dass die Sportvereine Zuwächse verzeichnen, während die traditionellen Vereine (Gesangvereine) ums Überleben kämpfen müssen.

Die älteren Menschen leben gerne hier, da die Nähe zur Stadt und eine gute Infrastruktur das Leben auch im Alter angenehm sein lässt. Die Wohnqualität hat sich insgesamt durch die Umgehungsstrasse, die seit 1994 den Durchgangsverkehr um die Ortschaften herum führt, erheblich verbessert.

Unsere Kirchengemeinde wird durchaus wahrgenommen und spielt im öffentlichen Bewusstsein immer noch eine wichtige Rolle. Sichtbar wird das für uns vor allem daran, dass die Kasualien, und hier insbesondere die Taufe, stark nachgefragt werden. –Auch unsere sonntäglichen Gottesdienste sind immer noch gut besucht, vor allem aber die „besonderen“ Gottesdienste: „open air“ , zu den Gemeindefesten oder an den zentralen Festtagen des Kirchenjahres. Es ist bemerkenswert, wie viele Gemeindeglieder sich von besonderen Gottesdienstformen (z.B. Taizé-Gebet, Salbungsgottesdienst) oder besonderen Aktionen (z.B. Adventskalender-Fensteraktion) angesprochen fühlen: Fest und Feier, gerade auch im kirchlichen Rahmen, finden erfreulich großen Zuspruch (Gemeindefeste, „Kerwekerch“, Männerkochclubs).

Erfreulich aus unserer Sicht ist auch die Arbeit mit den älteren Männern und Frauen unserer Gemeinde. Nicht nur dass die Besuche zu den Geburtstagen oder im Krankenhaus eine durchweg positive Rückmeldung erfahren, auch die Frauenhilfen und Seniorenclubs sind feste Bestandteile unserer Gemeindearbeit. In dieser Arbeit haben die Ausflüge und vor allem die jährliche Seniorenfreizeit einen besonders hohen Stellenwert.

Als kommunikatives Bindeglied der Gemeinde fungiert der Gemeindebrief „GLOCKENSPIEL“. Rückmeldungen und die jährliche Spendenaktion für das GLOCKENSPIEL zeigen, dass er zur zentralen Informationsquelle in der Gemeinde geworden ist. Gerade auch für Menschen, die unsere öffentlichen Angebote nicht mehr wahrnehmen können, stellt das GLOCKENSPIEL eine wichtige Verbindung zur Kirchengemeinde dar.

Angesichts der Altersstruktur unserer Gemeinde sollte man eine „blühende“ Kinder- und Jugendarbeit erwarten. Hier wird allerdings ein Mangel deutlich: Es fehlt an Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen! – Helfer und Helferinnen können wir immer wieder gut mobilisieren, - und dafür sind wir auch sehr dankbar, - aber Menschen zu verantwortlicher Mitarbeit zu bewegen, daran sind wir bisher oft gescheitert. Gerade in der Kinder- und Jugendarbeit fehlen uns Kräfte, die das vorhandene Angebot (Krabbelgruppe in Rüdesheim, Kindergottesdienste, Jugendarbeit„Seekiste“ (OT) in Rüdesheim und die jährliche Segelfreizeit) erweitern bzw. verbessern könnten. Aber auch in den Bereichen Seelsorge und Diakonie oder in der Erwachsenenarbeit fehlen derzeit die Kräfte, um ein wirklich lebensbegleitendes Angebot machen zu können. - Nach wie vor ist die Gemeindearbeit sehr „pfarrerfixiert“. Darunter leidet der Aufbau eines entsprechenden Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnenstabs immer wieder.

Gerne würden wir des öfteren Veranstaltungen und Aktionen an einem Ort zusammenlegen. Dabei zeigt sich, dass die drei Kilometer Entfernung zwischen den Ortschaften für viele zu groß ist. Wenn wir eine Möglichkeit hätten, Gemeindeglieder zu transportieren, wäre manches einfacher.


3. UNSERE LEITENDEN ZIELE FÜR UNSERE ARBEIT IN DEN NÄCHSTEN 10 JAHREN

3.1 Der Gottesdienst:

In unserem gottesdienstlichen Handeln wollen wir Impulse geben für ein Leben unter dem Zuspruch und dem Anspruch des Evangeliums. Dazu wollen wir uns um ein vielfältiges Gottesdienstangebot bemühen.

3.2 Seelsorge und Diakonie:

In unserem seelsorgerlichen und diakonischen Handeln wollen wir Menschen in ihren konkreten Sorgen und Nöten begleiten und Hilfestellung geben. Dazu wollen wir Besuchsdienstgruppen aufbauen.

3.3 Kinder und Jugendarbeit:

In unserer Kinder- und Jugendarbeit wollen wir Raum geben für die Begegnung der jungen Menschen mit unseren christlichen Glaubens- und Wertvorstellungen. Dazu wollen wir die Angebote in diesem Bereich ausbauen, nach Möglichkeit mit Verstärkung durch qualifizierte MitarbeiterInnen.

3.4 Arbeit mit Männern und Frauen:

In unserer Arbeit mit Erwachsenen wollen wir Menschen zusammen bringen, die Gemeinschaft suchen und nach Orientierung fragen. Dazu wollen wir die gegenwärtige Vielfalt der Aktivitäten erhalten und neue Initiativen fördern.


4. KONSEQUENZEN

Im Folgenden soll veranschaulicht werden, was unter dem Leitbild vom „wandernden Gottesvolk“ in den einzelnen Bereichen der Gemeindearbeit zu tun ist und wo zukünftig im Sinne des Leitbildes die Schwerpunkte liegen sollen.

4.1 Der Gottesdienst:

Der Gottesdienst ist und bleibt die Mitte der Gemeinde. Hier versammelt sich das wandernde Gottesvolk im Angesicht Gottes. Im Hören auf Gottes Wort kommt es zur Ruhe und findet neue Orientierung (Anspruch). In Taufe und Abendmahl vergewissert es sich der Freundlichkeit Gottes und feiert den Anbruch des Gottesreiches (Zuspruch). Gotteslob und Anrufung, Vergebung und Zusage, Verkündigung und Bekenntnis, Fürbitte, Sendung und Segen, bleiben konstitutive Elemente des Gottesdienstes. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig und richten sich nach den jeweiligen Gegebenheiten „auf dem Weg“. Dabei orientieren wir uns an der „Erneuerten Agende“ der EKU, wie sie im Evangelischen Gottesdienstbuch festgehalten ist. Auf dem vor uns liegenden Wegstück wollen wir uns verstärkt um „Familiengottesdienste“ bemühen, bei denen Kinder und Jugendliche aktiv beteiligt sind. Besondere Gottesdienste sollen nach Möglichkeit immer wieder im Kirchenjahr, regelmäßig aber im Rahmen der Samstag-Abendgottesdienste als „Gottesdienste in anderer Form“ stattfinden. In diesem Zusammenhang legen wir Wert auf eine angemessene und facettenreiche musikalische Gestaltung der Gottesdienste, einerseits durch die Orgel, andererseits durch Einbeziehung weiterer musikalischer Elemente: Vokal- und Instrumentalchöre, Solisten etc. Hier besteht immer wieder die Möglichkeit mit neuen Experimenten neue Erfahrungen zu machen.
Ökumenische Gottesdienste sollen gefördert werden. Das Taizé-Gebet bleibt im Bezirk Rüdesheim fest verankert.

4.1.2 Kindergottesdienst:

Das Unterwegssein erfordert besondere Rücksicht auf die „Kleinen“. Dem wollen wir Rechnung tragen, indem wir uns auf der nächsten Etappe verstärkt um den Kindergottesdienst bemühen. Mitarbeitende sollen gewonnen und gefördert, Form und Inhalt des Kindergottesdienstes sollen erneuert, die Darstellung in der Gemeindeöffentlichkeit verbessert werden. Hierbei hoffen wir auf fachliche und personelle Unterstützung durch den Kirchenkreis.

4.1.3 Kirchenmusik:

Mit der Kirchenmusik in der Form großer Konzerte, mit erheblichem Aufwand an Organisation und Finanzen, wollen wir uns nicht mehr aufhalten. Wir wollen die vorhandenen musikalischen Kräfte (Orgel, Posaunenchor, Singkreis) stärken und fördern und ansonsten unsere Kirchen nur für solche Konzerte zur Verfügung stellen, die uns angeboten und auf Kollektenbasis vergütet werden.

4.1.4 Spiritualität:

Kirchentage sind Oasen auf dem Weg durch Wüsten und also Leben spendend. Darum werden wir diese Oasen ganz gezielt aufsuchen. Insbesondere Jugendliche wollen wir einladen und ermutigen, an Kirchentagen teilzunehmen. Aber auch Gruppen Erwachsener sollten dazu ermuntert werden. Und die Gemeinde, die vor Ort bleibt, soll aus der Ferne von diesem Ereignis profitieren können, durch Information und Teilhabe an den Ideen und Impulsen des Kirchentages.
Ähnlich belebende Kraft geht für unsere Gemeinde schon seit vielen Jahren von dem Kloster Taizè aus. Besuche mit Jugendlichen und Erwachsenen haben die spirituelle Kraft von Taizè für uns erschlossen. Diese Besuche sollen auch auf dem nächsten Wegstück ganz bewusst gefördert werden. Die Taizé-Gebete, die am 2.Samstag im Monat gefeiert werden, bleiben in der Rüdesheimer Kirche beheimatet und ebenso der Taizé-Singkreis. Dass von dort aus aber Impulse ausgehen, die auch sonst die Gemeindegottesdienste bereichern und beleben, ist gewollt.

4.2. Seelsorge und Diakonie:

Wir werden als Gemeinde nicht weiterziehen, ohne uns um die zu kümmern, die rechts und links des Weges unsere Hilfe brauchen. Diakonie bleibt auch unterwegs Kennzeichen der Gemeinde Jesu Christi. Da dieser Bereich sehr personalintensiv ist, wenn wir wirklich keinen übersehen wollen, bauen wir neben dem Besuchsdienst einen Diakoniekreis auf, der die Betreuung der Kranken im Krankenhaus und zu Hause, sowie die Begleitung der Trauernden zum Ziel hat. Die Mitarbeitenden dieses Kreises sollen entsprechende Zurüstung und Supervision erhalten und sich entsprechend fortbilden können. In den letzten Jahren sind viele Menschen in den Wohn-bereich unserer Gemeinde gekommen. Um sie mitzunehmen auf den Weg, müssen wir sie aufsuchen, uns bekannt machen und sie einladen. Dazu bedarf es einer kontinuierlichen Anstrengung, die nur von einer besonderen Arbeitsgruppe, einem „Besuchsdienst“, wahrgenommen werden kann.Diese Besuchsdienstgruppe soll aufgebaut und gefördert werden. Neben den Besuchen bei Neuzugezogenen sollen auch Geburtstagsbesuche (ab 80 Jahre) von dieser Gruppe, in Absprache mit dem Pfarrer, geleistet werden.

4.2.1. Partner Felgentreu / Mukore:

Dass wir nicht allein unterwegs sind, halten wir uns in unseren Partnerschaften mit den Gemeinden Felgentreu / Brandenburg und Mukore / Rwanda vor Augen. Die ökumenische Dimension unserer Wanderung wird uns dabei immer wieder deutlich. In diesem Bereich soll darum die Öffentlichkeitsarbeit durch geeignete Maßnahmen (Rwanda-Tag, Berichte…) verstärkt werden. Die Kontakte sollen gepflegt und durch eine kommunale Schulpartnerschaft Rüdesheim-Mukore ergänzt werden, die in enger Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde entstehen soll. Die Finanzierung dieser Partnerschaft ist im Wesentlichen durch die Klingelbeutelsammlung gesichert. Dieses Verfahren wird fortgeschrieben. Da wir in unserer Partnerschaft mit Mukore auch finanziell nicht unerheblich engagiert sind, halten wir es für gerechtfertigt, den Beitrag zum KED bei dem Mindestbetrag von 1% zu belassen.

4.3 Kinder und Jugendarbeit:

Die Jugendlichen unserer Gemeinde sollen unter keinen Umständen „auf der Strecke“ bleiben. Ihnen gilt unsere ganz besondere Aufmerksamkeit und Anstrengung. Darum sollen auch in Zukunft Initiativen wie die Krabbelgruppe oder die Ferienbetreuungsinitiative Rüdesheim gefördert und angemessen unterstützt werden. Die Konfirmandenarbeit wird auf dem nächsten Wegstück verstärkt die Begleitung der Jugendlichen in ihrer besonderen Entwicklungsphase in den Blick nehmen. Dies ist auch jeweils bei der Vermittlung der kirchlichen Inhalte zu berücksichtigen. Unter der Zielvorgabe zu vermitteln, „was es bedeutet, als Christ in dieser Welt zu leben,“ sollen die Jugendlichen Erfahrungen machen, die geeignet sind, Selbstvertrauen und soziale Kompetenz zu entwickeln. Kirche und Gemeinde stellen dafür das Lernfeld dar.

Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit sollen verzahnt werden, so dass nach der Konfirmation der Prozess der Begleitung in der Jugendarbeit fortgesetzt werden kann. Da das gegenwärtige Angebot (Segelfreizeit und wöchentliche „Seekiste“ OT) nicht ausreicht, müssen weitere Anstrengungen in diesem Bereich unternommen werden. Dazu bedarf es allerdings professioneller, personeller Unterstützung. Wir werden uns darum bemühen, für diese Arbeit einen Pfarrer z.A. zu gewinnen, evtl. in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Der Kirchenkreis und die Landeskirche müssen uns an dieser Stelle unterstützen. Ein entsprechender Antrag soll dem Superintendenten zugeleitet werden.

4.4 Arbeit mit Männern und Frauen:

Kirche kann nicht unterwegs sein, ohne immer wieder nach Werten und Zielen zu fragen und ohne Hintergründe und Modelle der Entwicklung zu beleuchten. Erwachsenenbildung ist darum zur Orientierung und Vergewisserung auf dem Weg unentbehrlich.
Auf dem Weg können wir nicht auf feste Kreise bauen: Die Arbeit in den Frauenkreisen und in den Frauenhilfen geschieht dank der selbstlosen Arbeit von Mitarbeiterinnen. Auch die Arbeit in den Seniorenclubs zählt dazu. Solange wie möglich soll diese Arbeit gestützt und fortgeführt werden. Unser Augenmerk werden wir allerdings zukünftig auf zeitlich begrenzte und überschaubare Projekte der Erwachsenenbildung richten. Adressaten unserer Angebote sind grundsätzlich alle Gemeindeglieder. Jedoch werden besondere Zielgruppen themenspezifisch angesprochen. Dabei soll ein mehrteiliges Seminar pro Jahr als Mindestangebot gelten.

4.4.1 Gemeindefeste:

Zum Unterwegssein gehören auch Rast und Feier. Wir haben dafür bereits mit unseren Gemeindefesten eine gute Tradition gefunden. Diese soll so fortgesetzt werden. Dabei wollen wir darauf achten, dass alle beteiligten Gemeindegruppen zu ihrem Recht kommen. Ganz besonders wollen wir diese Gelegenheit dazu nutzen, Gemeindeglieder als Helfer und Helferinnen anzusprechen und dabei auch „Neulinge“ mit einzubeziehen. Ob es uns einmal gelingt, ein „Ökumenisches Gemeindefest“ zu feiern, steht dahin, offen dafür sind wir.

4.4.2 Seniorenarbeit:

Auf die Erfahrung der Alten wollen wir auf unserem Weg nicht verzichten. Ihnen bieten wir Raum für ihre Geschichten und Erinnerungen, aber zugleich auch für neue Erfahrungen. Wir treten der überall drohenden Vereinzelung und Vereinsamung der Alten entgegen und laden ein zu Gemeinschaft, Fest und Feier, Austausch und Information. Die bestehende Seniorenarbeit wird darum in dem gegenwärtigen Rahmen fortgeführt: Zu den monatlichen Treffen der Seniorenclubs gehört auch in Zukunft die jährliche Seniorenfreizeit.

4.4.3 Öffentlichkeitsarbeit:

Der Öffentlichkeitsarbeit kommt die Aufgabe zu, den vielen verschiedenen Menschen, die mit uns unterwegs sind, an je ihrem Ort zu begegnen, damit alle am gemeinsamen Weg teilhaben können. Dabei hat der Gemeindebrief „Glockenspiel“ eine zentrale Rolle inne. Er wird auch in Zukunft monatlich kostenlos in alle ev. Haushalte gebracht und im Gottesdienst ausgelegt. Eine jährliche Spendenaktion für das „Glockenspiel“ hilft die Kosten zu decken. Den vielen ehrenamtlichen Helfern angemessen zu danken, soll nicht vergessen werden.

Die anderen Wege der Information sind die Abkündigungen im Gottesdienst, die wöchentlichen Mitteilungen im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde, die Schaukästen und die Internetpräsenz unter www.weinsheim-ruedesheim.de. Hier sollen Anstrengungen unternommen werden, die Gestaltung zu verbessern. Wenn möglich sollten kompetente Mitarbeiter für diesen Bereich gewonnen werden. Die regelmäßige Information über die öffentliche Presse soll erprobt und die Zusammenarbeit mit der Presse insgesamt intensiviert werden.
Zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle ist auch künftig das Pfarramt in Weinsheim. Dieses bedarf zur Erfüllung der Aufgaben einer zeitgemäßen organisationstechnischen Ausstattung. Die gegenwärtige Besetzung mit einer Bürokraft (4 Stunden/Woche) wird im Planungszeitraum nicht verändert. Zur besseren Erreichbarkeit soll eine Bürozeit festgelegt und entsprechend veröffentlicht werden. Dabei kommt am ehesten der Zeitraum donnerstags von 8.00 bis 12.00 Uhr in Betracht.


5. AUSBLICK UND SCHLUSSBEMERKUNGEN

Diese Gemeindekonzeption ist vom Presbyterium in der Sitzung vom 22.11.2004 einstimmig verabschiedet worden. Am 16. 1. 2004 fanden in beiden Bezirken Gemeindeversammlungen statt, bei denen diese Konzeption der Gemeinde vorgestellt wurde. Dabei war der Gemeinde Gelegenheit gegeben, Änderungen und Ergänzungen vorzuschlagen. Das Presbyterium hat in der Sitzung vom 24.1.2005 die Endfassung der Gemeindekonzeption beschossen und die Konzeption in Kraft gesetzt.
Zur Überprüfung (Controlling) der Umsetzung der Gemeindekonzeption wird das Presbyterium alle sechs Monate den Stand der Gemeindearbeit kritisch in den Blick nehmen und dabei auf die Entwicklung des Prozesses achten. So können Abweichungen, Veränderungen der Bedingungen oder auch Überforderungen rechtzeitig gesehen und gegebenenfalls gegengesteuert werden. Zu diesen Treffen sollen die Mitarbeitenden der Gemeinde hinzugezogen werden.
Alle zwei Jahre soll ein Gesamt–Controlling stattfinden, das dazu dient, die Gemeindekonzeption und die aktuelle Gemeindesituation zu vergleichen. Dabei wird zu prüfen sein, ob die Gemeindekonzeption fortgeschrieben werden kann oder ob Modifizierungen und Korrekturen vorgenommen werden müssen (Qualitätssicherung).
Über das Ergebnis findet ein Austausch mit der Gemeinde im Rahmen einer Gemeindeversammlung statt. Dieser Prozess des Controlling und der Qualitätssicherung ist auf einen Zeitraum von 10 Jahren, also bis 2015 angelegt. Wir hoffen, mit dieser Konzeption nicht nur größere Klarheit für unsere Gemeindearbeit zu gewinnen, sondern auch den finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen unserer Gemeindearbeit Rechnung zu tragen. Es ist uns bewusst, dass die Umsetzung dieser Konzeption nur gelingen kann, wenn auch die Gemeinde selbst sich auf diesen Prozess einlässt und ihn mündig und kritisch begleitet. Wir vertrauen darauf, dass Gott unser Wollen und Vollbringen freundlich ansieht und bitten, dass sein Geist uns leite auf unserem Weg.

Weinsheim – Rüdesheim im Januar 2005